Geschichte

Geschichte der Physik in Darmstadt

Physikalisches Institut vom Herrengarten aus gesehen
Festschrift zur Feier der Eröffnung der Erweiterungsbauten am 23. Juli 1908
Die Grossherzogliche Technische Hochschule zu Darmstadt
Physikalisches Institut vom Herrengarten aus gesehen. Das Bild wurde der Festschrift zur Feier der Eröffnung der Erweiterungsbauten am 23. Juli 1908 entnommen.

Die Physik an der Technischen Universität Darmstadt hat eine über hundertjährige Geschichte, die reich an bedeutenden Entdeckungen ist. Das Physikalische Institut wurde bereits 1869 gegründet und war zunächst mit anderen nicht-technischen Fächern in der Allgemeinen Abteilung zusammengefasst. Im Jahr 1921 erhielt letztere ein eigenes Promotionsrecht und 1934 wurde schließlich die Fakultät für Mathematik und Physik gegründet. Die neben diesen Disziplinen auch die Mechanik und die Meteorologie umfasste.

Schon früh war Johann Nörrenberg Professor der hohen Mathematik, Physik und des Planzeichnens an der Großherzoglichen Militärschule (1823-1833), wegen seiner Versuche zur Kristall-Optik über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. In den Jahren 1871-1875 zeigte Friedrich Kohlrausch, Professor an der Polytechnischen Schule Darmstadt, erstmals, dass das Ohm'sche Gesetz auch für wässrige Lösungen gilt. Er entwickelte eine umfassende Theorie der Elektrolyte und war Verfasser eines über viele Physikergenerationen bekannten Lehrbuchs der Praktischen Physik. In dem 1894 fertiggestellten Neubau des Physikalischen Instituts gehörten zum Allerheiligsten von Karl Schering eine Normaluhr und ein Seismograph. Die von ihm zusammen mit Konrad Zeißig, seit 1920 Leiter des neu geschaffenen Instituts für Technische Physik, durchgeführte magnetische Vermessung des Landes Hessen galt jahrzehntelang als Vorbild für magnetische Landvermessungen. Aufbauend auf den Präzisionsmessungen von Hans Rau (1922-1950) über die Anregung von Heliumatomen durch Elektronenstoß, die als Beweis für die Richtigkeit der Quantenmechanik galten, gelang es Gerhard Herzberg (Nobelpreisträger 1971) in den Jahren ab 1930 die Molekül-Spektroskopie am Institut voranzutreiben. Im gleichen Zeitraum wurde ein Institut für Röntgenphysik und Röntgentechnik gegründet, das sich unter anderem mit leistungsstarken Röntgenröhren einen Namen machte. Die Forschung auf theoretischem Gebiet fand in den bahnbrechenden Arbeiten von Otto Scherzer, seit 1935 Leiter des Instituts für Theoretische Physik, auf dem Gebiet der Elektronenmikroskopie einen Höhepunkt.

95 Prozent der Laboratorien waren bei Kriegsende zerstört. Der Wiederaufbau der Nachkriegszeit orientierte sich zunächst am Vorkriegsstand, bevor ab Mitte der fünfziger Jahre auch Institute und Forschungsrichtungen mit neuen Zielsetzungen angesiedelt wurden, die sich noch in den heutigen Strukturen spiegeln. Abschließend soll noch die auf eine Initiative Richard Viewegs zurückzuführende Gründung des Deutschen Kunststoffinstituts sowie auf das unter Karl Heinz Hellwege herausgegebene, wohl bedeutendste vielbändige Tabellenwerk Landolt-Börnstein erwähnt werden.